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Il Cavallo di Famiglia
Ein Ferrari für die ganze Familie? Inklusive Kofferraum fürs Reisegepäck? Zu Enzo´s Zeiten undenkbar. Sicher, viersitzige Grand Turismo haben auch in Maranello Tradition, aber muß es gleich ein Kombi sein? Der GTC4 Lusso T ist alles andere als ein Nutzfahrzeug, er verbindet eher Nützliches mit echtem Sportwagenfeeling.

Ferrari - jeder Autobegeisterte läßt sich diesen Namen gerne auf der Zunge zergehen und kommt ausnahmslos ins Schwärmen. Die Tradition, die dahinter steckt ist Legende, Mythos und Wahrheit zugleich. Die Modelle aus Maranello stehen für den Inbegriff eines Sportwagens, das aufbäumende Pferd, das Cavallino Rapante, kennt jedes Kind.

Im Grunde genommen verbindet man den Namen mit 2-sitzigen, heckangetriebenen Mittelmotorsportwagen, denen ein sportlicher V8 oder ein gewaltiger V12 das Galoppieren beibringt.

Doch die Zeiten, die Anforderungen der solventen Kundschaft und der Ingenieure und Designer ändern sich. Ein Raunen ging durch die Ferraristi-Gemeinde, als 2011 der FF auf dem Genfer Autosalon präsentiert wurde. Vier Sitzplätze, was nichts besonderes war, Allradantrieb, das war ein Novum, umschlossen von der Karosserie eines Kombi-Coupés! Was für ein Frevel, was für eine Blasphemie, dachten sicherlich die meisten...
Dabei war dieser Ferrari-Kombi, oder nicht so banal ausgedrückt, dieser Shooting-Brake, noch nicht einmal der erste seiner Art. Bereits 1961 schuf Giotto Bizzarrini auf Basis des 250 GT Berlinetta SWB den 250 GT "Breadvan". Den erste Ferrari-Kombi der Geschichte. Allerdings kam das Design beim altehrwürdigen Enzo so gut an, dass er einerseits untersagte, den Wagen in Serie zu bauen, andererseits Bizzarrini und seine beteiligten Kollegen feuerte! Gerüchten zu folge existieren noch 2 Exemplare, eines davon ist gelegentlich beim AvD Oldtimer-Grand Prix auf dem Nürburgring vertreten.

Obwohl sich der moderne FF zwischen 2011 und 2016 erfolgreich verkaufte, bekam sein Nachfolger eine neue Nomenklatur: GTC4 Lusso.

Zu Beginn wuchtete ein 6.3 Liter V12 seine 690 italienischen Pferdchen und sein 697 Nm starkes Drehmoment an alle vier Räder, kontrolliert von einem 7-Gang-F1-Doppelkupplungsgetriebe. Solch ein brachiales Aggregat kostet zum einen Gewicht, andererseits sieht man sich auch bei Ferrari gezwungen, den Abgasanforderungen gerecht zu werden. Und nachdem man bereits im California T und im 488 zeigte, dass biturboaufgeladene V8 nicht nur im seligen F40 ihre Daseinsberechtigung hatten, bekam auch der GTC4 Lusso ein entsprechendes Triebwerk implantiert. Der Allrad fiel dem klassischen Heckantrieb zum Opfer und prompt war die neue Variante 50 Kg leichter als sein V12-Kollege. Mit 3.9-Liter, 449 kW/610 PS und 760 Nm mehr als ausreichend motorisiert, schafft es der "Kleine" fast an die Fahrleistungen des "Großen".

In 3,5 Sekunden stehen 100 km/h an, in 10,8 fällt die 200er-Marke. Und ob er jetzt 320 oder 335 in der Spitze erreicht, das ist wohl eher Prestigesache, aber in der Realität irrelevant. Was viel bedeutender erscheint, ist der Umgang mit dem Treibstoff und was aus den vier Endrohren austritt. Gut 3,5 Liter weniger konsumiert der Biturbo-Achtzylinder, seine CO2-Emissionen von 265 g/km stehen 350 g/km denen des hubraumstärkeren V12 gegenüber.


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Aber wie fährt sich dieser Familien-Ferrari? Ganz einfach: wie man es von einem Ferrari erwartet. Die Transaxle-Bauweise des Antriebsstranges verspricht auf alle Fälle jede Menge Fahrfreude. Motor vorne, Getriebe und Antrieb hinten. Die optimale Gewichtsverteilung läßt einen den Allradantrieb in keinster Weise missen. Im Gegenteil, so kommen einem die 1.740 kg Leergewicht deutlich geringer vor, und obwohl knapp fünf Meter lang, läßt sich der GTC4 Lusso T herrlich durch die kurvenreichen Passagen in der Toscana dirigieren. Dazu dieser wohl einzigartige Sound, den die Italiener wie kaum ein anderer ihren Fahrzeugen verpassen und der für das entsprechende Gänsehautfeeling sowohl bei den Insassen wie auch den applaudierenden Zuschauer am Straßenrand sorgt.

Mit einem Ferrari fährst du eigentlich nicht durch Italien, du wirst auf einer Woge der Begeisterung von Ort zu Ort getragen. Selbst wenn du verkehrsregelgerecht unterwegs bist, die Fahrzeuge vor dir fahren rechts ran, lassen dich durch und grüßen dich mit dem italienischen Nationalinstrument, der Autohupe.

Bietet sich dann endlich die Möglichkeit der gefahrlosen freien Fahrt, wirst du eins mit dem Wagen. Das Konzept ohne Allrad macht den GTC4 um einiges agiler, ja gar sportlicher. Vortrieb nach vorne, irre. Kurvenverhalten? Das Limit traust du dir gar nicht zu. Bremsen? Brachial. Das alles macht Spaß, wenn du alleine oder zu zweit unterwegs bist. Zumal der Copilot auf einem Display über dem Handschuhfach auf Wunsch die Fahrdaten mit verfolgen kann. Drehzahl, Tempo etc. sind parallel abrufbar. Aber vergessen wir nicht, hinten ist ja noch Platz für den Nachwuchs und einiges an Gepäck, wenn auch nicht die ganz großen Koffer. Immerhin 450 Liter Kofferraumvolumen stehen zur Verfügung. Dann sollte man doch etwas gesitteter umhercruisen. Denn auch das kann der Familien-Ferrari. Er ist absolut alltagstauglich.

Sein Preis jedoch ist nicht ganz alltäglich, gute 230.000 Euro muß der Kunde schon nach Maranello überweisen, das sind zwar rund 30.000 weniger als für den 12-Ender, aber trotzdem eine ordentliche Stange Geld. Dafür gibt es dann einen aussergewöhnlichen Ferrari und puren Fahrspaß für die ganze Familie.

Bericht/Fotos: Guido Strauss

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